Studien zeigen, dass der Alterungsprozess von vielen Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen assoziiert wird. Gleichzeitig existiert jedoch eine klare gesellschaftliche Erwartung, im Alter aktiv und fit zu bleiben. Dieses Ideal des „aktiven Alterns“ wird unter anderem durch die Active-Ageing-Strategie der Weltgesundheitsorganisation geprägt und findet zunehmend Zustimmung – insbesondere bei älteren Menschen selbst. Der nun erschienene Artikel zeigt jedoch, dass zwischen dieser Erwartung und dem tatsächlichen Bewegungsverhalten in Deutschland eine deutliche Lücke besteht.
Publikation zur Norm-Verhaltens-Lücke zwischen Erwartungen und tatsächlichem Aktivitätsverhalten im Alter
Auf Basis repräsentativer Befragungsdaten der Studie Age_ismus, welche im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes von den MSB Professorinnen Eva-Marie Kessler (Gerontopsychologie) und Lisa Marie Warner (Sozialpsychologie) durchgeführt und 2002 veröffentlicht wurde und repräsentativer Daten des Robert-Koch-Instituts berichtet der aktuelle Artikel, wie stark Menschen unterschiedlichen Alters ab 16 Jahren der Norm zustimmen, dass ältere Menschen körperlich aktiv bleiben sollten, und vergleicht dies mit dem tatsächlichen Bewegungsverhalten. Während ältere Befragte der Erwartung, im Alter aktiv zu bleiben, stärker zustimmen als jüngere, nimmt die tatsächliche körperliche Aktivität mit zunehmendem Alter deutlich ab. Besonders ab etwa 75 Jahren zeigt sich eine wachsende Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität: Der Anteil der Personen, die gemäß den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation ausreichend körperlich aktiv sind, ist in höheren Altersgruppen signifikant geringer.
Die Ergebnisse machen deutlich, dass gesellschaftliche Erwartungen allein nicht ausreichen, um körperliche Aktivität im Alter zu fördern. Die identifizierte Norm-Verhaltens-Lücke könnte sowohl mit negativen Altersbildern als auch mit einem Mangel an altersgerechten Bewegungsangeboten zusammenhängen. Der Artikel liefert damit wichtige Impulse für Forschung, Prävention und die Gestaltung von Bewegungsangeboten für ältere Menschen.
Die deutsche Fassung des Artikels kann hier gefunden werden.
Die englische Version hier.
Ansprechpartner:innen:
Lisa Marie Warner, Professur für Sozialpsychologie
Eva-Marie Kessler, Professur für Gerontopsychologie
Nils Henrik Pixa, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Gerontopsychologie