Datum: 06.07.2020
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Ablauf der Fachtagung: Die Effizienz von Frühförderleistungen

Eröffnung der Tagung

Herr PD Dr. Henning Baberg eröffnete als Gastgeber die Tagung an der MSB Medical School Berlin. Er hieß alle Teilnehmer der Fachtagung willkommen, hob die Bedeutung der Frühförderung an der MSB Medical School Berlin hervor und leitete in das folgende Programm ein.

Grußwort des Bundessozialministeriums

Als Vertreter des Bundessozialministeriums vertrat Herr Alfons Polczyk die kurzfristig verhinderte Staatssekretärin Dr. Annette Niederfranke und wies auf die Präsenz, Wichtigkeit und die Aktualität des Themas Frühförderung in Deutschland hin.

Intention und inhaltliche Einführung in die Fachtagung

Herr Prof. Dr. Armin Sohns von der Fachhochschule Nordhausen gab als Leiter des Studiengangs Frühförderung an der MSB Medical School Berlin einen Überblick über die Ausgangssituation der deutschen Frühförderung mit Bezug zu neuen gesellschaftlichen Herausforderungen... „Die Antwort kann nicht nur heißen: Immer mehr Therapie. Wir müssen als Wissenschaftler und Fachleute in Diskussionen mit Politik und Rehabilitationsträgern zu einem modernen Hilfesystem kommen, das als familienorientiertes Angebot einen festen Platz in der sozialpolitischen Landschaft erhält. Dazu müssen wir belegen, was effektiv und auch effizient ist.“

Young Children’s Everyday Activities in Different Countries and Cultures

Prof. Carl J. Dunst, PhD, (Simultanübersetzung englisch-deutsch), Orelena Hawks Puckett Institute, Asheville, North Carolina, USA

Insbesondere in den USA wird in die Effizienzforschung zur Frühförderung mehr investiert als in Deutschland. Allein am Forschungsinstitut von Prof. Dunst, der hierzu seit Jahrzehnten in führender Position forscht, stehen hierfür jährlich ca. 70 Mio. $ zur Verfügung. Die Ergebnisse sind eindeutig: Wirksame Hilfen müssen in der Lebenswelt der Kinder ansetzen. Kinder haben täglich Hunderte von Lernsituationen, auf die müssen wir Einfluss nehmen. Isolierte Therapieeinheiten von 1-2 Stunden pro Woche greifen da viel zu kurz.

The Parenting Model Early Intervention

Prof. Jerry Mahoney, PhD, Case Western Reserve University, Ohio, Cleveland, USA

Die Responsivitätsforschung gibt uns deutliche Hinweise, wie wir die speziellen Situationen der Bezugspersonen der Kinder individueller erfassen und sie darin stärken können, die Bedürfnisse ihrer Kinder besser wahr zu nehmen. Das ist ein zentraler Beitrag zur Effektivität professioneller Hilfen.

Children with complex needs; these are the children; these are their needs

Prof. Barry Carpenter, PhD, OBE, National Director for Special Education, UK

Wir verkennen noch immer eine Vielzahl von Hilfebedarfen bei Kindern und ihren Eltern, obwohl sie durch empirische Daten (in Großbritannien und anderswo) eindeutig belegt werden. Wir brauchen Systeme, die diesen Bedarfen eher gerecht werden. Und wir brauchen einfühlsame Zugänge, mit denen wir diese Menschen erreichen können.

ICF-CY als zentrales disziplinübergreifendes Dokumentationsinstrumen

Prof. Dr. Kraus de Camargo, McMaster, University Hamilton/Ontario, Canada

Die ICF-CY bietet eine fundierte Möglichkeit, eine gemeinsame Sprache zur Dokumentation über die Berufsgrenzen hinweg zu entwickeln. Wir müssen diese mit Hilfe moderner Technologien weiter entwickeln, um unsere Kooperationen zu vereinfachen.

Kinder brauchen Hilfe – Familien auch! Der Bedarf an effizienten Angeboten

Prof. Dr. Rita Süssmuth, Bundesministerin a.D.

Unsere Gesellschaft hat sich gravierend verändert. Entsprechend müssen sich auch Hilfesysteme verändern. Politik und Verwaltung sind dabei nicht immer hilfreich, solche Veränderungsprozesse effektiv anzuregen und zu gestalten.

Zusammenfassender Redebeitrag

In seinem zusammenfassenden Redebeitrag „Perspektiven für ein (nicht) etabliertes Hilfesystem im Spannungsfeld zwischen fachlichen und gesetzlichen Ansprüchen und (konkurrierenden) Nachbarsystemen“ zeigte Prof. Sohns die Vielfalt der Frühförderstrukturen auf und plädiert für eine Neuordnung der Kompetenz- und Kooperationsprofile hin zu Sozialraumorientierten Gesamtsystemen, die sich auch sozial benachteiligten Familien widmen.

Abschließende offene Saaldiskussion

In der abschließenden offen Saaldiskussion deuten sich regional unterschiedliche Ausrichtungen an: Während in Nord- und Ostdeutschland Frühförderung stärker als familienorientierte Hilfe für alle Kinder mit Entwicklungsrisiken (und damit auch als Aufgabe der Jugendhilfe) gesehen wird, wird aus Süddeutschland stärker dafür plädiert, sich auf die „originären Aufgaben der Frühförderung“ für Kinder mit (drohenden) Behinderungen zu konzentrieren. Es offenbart sich ein Bedarf, die zukünftige Ausrichtung der Frühförderung besser abzustimmen, damit sie von außen mit einem einheitlichen Profil wahrgenommen wird.       

Programm der Fachtagung

Mitwirkende der Fachtagung

Abstract Workshops

Plakat der Fachtagung