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Versorgungsforschung - Psychologie

Die Entwicklung innovativer technischer Lösungen ist von hohem theoretischem und praktischem Interesse, auch für das Themenfeld der Psychologie und dabei insbesondere für die Schwerpunktbereiche Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie. Auch in der klinischen Psychologie gewinnt Technik und Technologisierung immer mehr an Bedeutung: So stellt die wachsende Technologisierung des Alltagslebens eine zentrale Herausforderung unserer Zeit dar. Auch internetbasierte Therapiemethoden zu entwickeln, ist eine zentrale Anforderung im psychosozialen Leben. Die Chance internetbasierter Psychotherapie besteht darin, auch Zielgruppen zu erreichen, die über herkömmliche Angebote in Psychotherapiepraxen und Kliniken nicht erreichbar wären.

An der MSB stellen wir uns diesen Herausforderungen unserer Zeit.


Studie der Persönlichkeitsarchitektur und -dynamik

(Study of Personality Architecture and Dynamics – SPeADy)

Das SPeADy-Forschungsprojekt ist darauf ausgerichtet, die Einengung des Konstruktes „Persönlichkeit“ auf wenige Eigenschaftskonzepte theoretisch zu hinterfragen und auf der Basis von längsschnittlichen und genetisch informativen Zwillingsfamiliendaten empirisch zu prüfen. Es ermöglicht verschiedene Persönlichkeitsmodelle zu vergleichen und bisher einzigartige Implikationen für ein integratives Persönlichkeitsmodell zur Beschreibung und Erklärung von Persönlichkeitsunterschieden und Persönlichkeitsentwicklung auf verschiedenen Ebenen der Betrachtung entlang eines Kontinuums von Kernmerkmalen zu Oberflächencharakteristiken. Ziel ist die Ableitung eines für die Forschung und Praxis nützlichen Modells, welches über bisherige beschreibende Persönlichkeitsmodelle hinausgeht. Die theoretische Perspektive vereint zu einer Vorstellung von Persönlichkeit als Gesamtheit aller relativ stabilen und erblichen Charakteristiken, die notwendig sind, um die Komplexität interindividueller Unterschiede im Denken, Fühlen, Wollen, Handeln und sozialen Wirken mindestens hinreichend zu beschreiben und bestenfalls zu erklären. Dazu gehört die Integration von Persönlichkeitseigenschaften, selbstbezogenen Überzeugungen, Motiven, Interessen, moralischen Grundhaltungen und Wertprioritäten sowie die Etablierung eines differenzierten Verständnisses der Rolle von Anlage und Umweltfaktoren in der Erklärung von Stabilität und Veränderung von Persönlichkeitsunterschieden über die Lebensspanne (siehe auch www.speady.de).

Dieses Projekt hat im September 2015 an der Universität Bielefeld begonnen, ist auf sechs Jahre ausgelegt und die Förderung der ersten drei Jahre sind bewilligt. Mit dem Wechsel des Projektleiters Christian Kandler an die Medical School Berlin ist das Projekt an der MSB angesiedelt, wobei ein Teil des SPeADy-Teams seinen Sitz an der Universität Bielefeld hat und mit der MSB kooperiert.

Laufzeit des Projekts: 6 Jahre (Förderung der ersten 3 Jahre bis Ende 2018)

Projektleitung: Prof. Dr. Christian Kandler

Projektmitarbeiterin: Alexandra Zapko-Willmes
Projektmitarbeiterin am Standort Universität Bielefeld: M.Sc. Julia Richter

Förderer: DFG Deutsche Forschungsgemeinschaft
(siehe auch http://gepris.dfg.de/gepris/projekt/272981829)


Wirkungen und Wirkungsgrundlagen generischer kognitiver Unterstützung im technischen Entwurfsprozess

In diesem Forschungsprojekt der MSB geht es darum, die im internationalen Erkenntnisstand ungenügend geklärten Fragen insbesondere

  • zur Art der Veränderungen der Prinziplösungen, die durch generische kognitive Unterstützungsangebote ausgelöst werden,
  • zu kognitiven Prozesse, die zu diesen Veränderungen führen,
  • sowie zur Abhängigkeit der Wirkungen der Unterstützungsangebote von der Komplexität der Entwicklungsaufträge und von Vorgehensweisen der Bearbeiter
    zu untersuchen.

Das interdisziplinäre Vorhaben soll diesbezügliche Erkenntnislücken im Interesse einer Nutzung in der konstruktionsmethodischen Ausbildung schließen. Es betrifft dabei einen Grenzbereich von Alltagskognition (Naturalistic Cognition), Psychologie geistiger Arbeit und Konstruktionsmethodik. Das Vorhaben kann an umfangreiche eigene labor- und feldexperimentelle Vorarbeiten anknüpfen.

Laufzeit des Projekts: 2 Jahre

Projektleitung: Prof. Dr. Dr. Constance Winkelmann

Kooperationspartner: Prof. Dr. rer. nat. habil. Dr. phil. h.c. Winfried Hacker (Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden), Prof. Dr.-Ing. Christoph Spensberger (Technische Universität Dresden)


Suizidalitätsneigung, Traumaprävalenz und posttraumatische Belastungsstörung nach bariatrischer Chirurgie

Die bariatrische Chirurgie ist eine der wirksamsten Therapieformen für adipöse Patienten und eine große Anzahl von Studien konnten eine signifikante Gewichtsreduzierung in Lang­zeituntersuchungen nach dem operativen Eingriff nachweisen. Den­noch führt die bariatrische Chirurgie nicht bei allen Patienten zu einem signifikanten Ge­wichtsverlust. Ein Teil der Patienten nehmen nach einer anfänglichen Gewichtsabnahme wieder zu und gewinnen ihr präoperatives Gewicht zurück.

Ein wichtiger Risikofaktor nach einem bariatrischen Eingriff stellt die Suizidalitätsneigung dar. Suizid ist eine der häufigsten Todesursachen nach einem bariatrischen Eingriff bei adipösen Patienten. Dennoch wurden Prädiktoren für Todesursachen nach bariatrischer Chirurgie, die nicht durch operative Fak­toren verursacht wurden (z.B. Suizid oder Unfälle), bisher kaum untersucht. Die Mortalitäts­rate, die nicht durch medizinische Faktoren verursacht wurde,  lag bei bariatrisch operierten Patienten um 58% höher als bei einer nicht operierten adipösen Kontrollgruppe (Adams et al., 2007). Die vorliegende Studie untersucht die präoperativen psychosomatischen und psychiatri­schen Risikofaktoren in einer Langzeituntersuchung. Ein besonderer Schwerpunkt liegt hierbei in dem prädiktiven Wert der Suizidneigung, Impulsivität, Stigmatisierung, Impulsivität, selbstver­letzenden Verhalten, Aggression, allgemeinen Psychopathologie und traumatischer Erfah­rungen. Im Rahmen einer zwei Kohortenstudie werden die Prädiktorfaktoren und Suizidali­tätsneigung an einer Kohorte untersucht, die sich einem bariatrischen operativen Eingriff an der Universität Leipzig, Bariatrische Chirurgie, unterziehen, im Vergleich zu einer gematch­ten adipösen Kontrollgruppe, die keine chirurgische Operation erhalten. Ziel der Studie ist es einen selektiven Operationsalgorithmus unter Berücksichtigung psychologischer Einfluss­faktoren zu definieren, welcher den Patienten eine größere Gewichtsabnahme ermöglicht und die Suizidalitätsneigung in der Patientengruppe reduziert.

Projektleitung: Prof. Dr. habil. Birgit Wagner und 
Prof. Dr. Anette Kersting

Förderer: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)


Teufelskreis der Gewalt nach Kindesmisshandlungen: Prävalenzen und Zusammenhänge von Adipositas und sexuellem Missbrauch während der Schwangerschaft

Kindesmisshandlungen, wie beispielsweise sexueller, körperlicher und emotionaler Missbrauch, zeigen eine relative hohe Prävalenzrate in der Allgemeinbevölkerung auf und stellen somit ein ernst zunehmendes Problem der öffentlichen Gesundheit dar. Kindesmisshandlungen sind häufig der Beginn eines Teufelskreises der Gewalt in der Lebensspanne von Frauen. Gewalt in der Kindheit führen häufig zu Reviktimisierung und Gewalt in der Partnerschaft im Erwachsenenleben. Zahlreiche Studien zeigten inzwischen Evidenz, dass es einen Zusammenhang zwischen der Adipositas und den traumatischen Kindheitserfahrungen gibt. Dennoch wurde bisher diesem Zusammenhang im Hinblick auf die Gesamtlebensspanne von adipösen Frauen kaum Beachtung geschickt. Obwohl die Entwicklung von Adipositas von individuellen, umweltbezogenen und genetischen Faktoren abhängt, kann unter Umständen die Erfahrung von Kindesmisshandlung eine Schlüsselfunktion für einen Teil der Patientinnen in der Entwicklung von Adipositas einnehmen. Emotionales Essverhalten und ein negatives Körperbild aufgrund der Missbrauchserfahrung können wichtige Moderatoren in der Entwicklung und Aufrechterhaltung von Adipositas darstellen. Schwangere adipöse Frauen stellen hierbei eine besonders gefährdete  Risikogruppe dar.  Starkes Übergewicht während der Schwangerschaft kann sowohl einen schädigenden Effekt auf die Gesundheit der Mutter haben, als auch das neugeborene Kind gesundheitlich gefährden. Bisher gibt es sehr wenige wissenschaftliche Untersuchungen im Bezug auf die Rolle von Kindesmisshandlungen auf adipöse Frauen in der Schwangerschaft. Die vorliegende Querschnittstudie wird die Prävalenzen von frühkindlichen Missbrauchserfahrungen im Bezug auf adipöse schwangere Frauen untersuchen.  Ein besonderer Schwerpunkt liegt hier bei auf sexueller, körperlicher, und emotionalem Missbrauch, häusliche Gewalt, Gewalt während der Schwangerschaft, allgemeine Psychopathologie, Esspathologie, Einflussfaktoren des Neugeborenen (z.B. Geburtsgewicht, Stillverhalten der Mutter). Ziel der Studie ist es die Prävalenz der Kindesmisshandlungen in adipösen schwangeren Frauen zu untersuchen. Des Weiteren sollen Moderatorvariablen und Einflussvariablen identifiziert werden.

Projektleitung: Prof. Dr. habil. Birgit Wagner und 
Prof. Dr. Anette Kersting

Förderer: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)